Du, der Engel
Als ich für mich alleine war,
ganz still und innen völlig klar,
hab ich auf meiner Haut gespürt
als ob ein Wesen mich berührt.
Fast nur ein Hauch, so fein und zart,
ganz wie ein Wesen andrer Art.
Ich lauschte. Fühlte in mich rein
Und sah in mir, als ob ein Schein
aus Licht und Glanz in mir entsteht,
der heller wird und nicht vergeht.
Und als es heller ward in mir,
fühlt ich das Wesen plötzlich hier.
Und da. Und dort. In meinem Geist -
das mir genau die Richtung weist
und wie ich es zu sehen habe,
die göttlich engelhafte Gabe.
"Bist du ein Engel? - Wer bist Du?"
Verwundert sagt es "ich bin Du,
nur Du bist draußen, ich im innern,
kannst Dich daran nicht mehr erinnern?"
"Wie das, ich soll der sein, der mich berührt?
Ich soll der sein, der selbst sich spürt?
Ich soll der göttlich Engel sein
und niemand sonst, ich ganz allein?"
"So ist es, hast es nur vergessen,
kannst Dich mit allen Engeln messen.
Hast Dich vergraben und versteckt,
damit auch niemand Dich entdeckt.
Doch wenn Du in die Stille gehst
und dabei vor Dir selber stehst,
dann siehst Du, wie es wirklich ist,
erkennst den Engel, der Du bist."
Ich folgte. Hörte in mich rein,
sah noch einmal den hellen Schein,
den engelhaften, strahlend schön -
und konnte mich darinnen sehn.
Seit dieser Zeit begleitet mich
ein Engel, doch das bin ja ich.
Nur weiß ich jetzt, da ist viel mehr
als mir bewusst war bis hierher.
Till Abele 2002